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Methoden

Habit Stacking: eine neue Gewohnheit an eine bestehende hängen

Habit Stacking bedeutet, eine neue Gewohnheit an eine Routine zu koppeln, die du ohnehin jeden Tag erledigst, und zwar in einem Satz: Nachdem ich X getan habe, tue ich Y. Die bestehende Routine wird zum Auslöser. Studien zu Wenn-dann-Plänen deuten darauf hin, dass ein fester Auslöser die Umsetzung wahrscheinlicher macht.

Stapel 1

Alles, was du eintippst, bleibt in deinem Browser. Drucke die Karten aus und hänge sie dorthin, wo die erste Gewohnheit stattfindet.

Nachdem ich meinen Morgenkaffee eingeschenkt habe, werde ich eine Aufgabe für heute aufschreiben.

Habit-Stack-Karten von Daychain

Wie funktioniert ein Habit Stack?

Ein Habit Stack ist ein Satz mit zwei Hälften. Die erste benennt eine Routine, die zuverlässig passiert, etwa das Kaffeekochen. Die zweite nennt eine kleine neue Handlung, die sofort danach folgt. Weil die erste Routine längst automatisch abläuft, dient sie als fertiger Startschuss für die zweite.

Die Form ist bewusst schlicht: Nachdem ich [Anker], werde ich [neue Gewohnheit]. Der Anker ist das, was du ohnehin schon tust. Das Wörtchen nachdem legt Reihenfolge und Zeitpunkt fest, du musst also nie überlegen, wann du anfängst.

Die meisten neuen Gewohnheiten scheitern nicht am Tun, sondern am Erinnern und am Entscheiden: Mache ich es jetzt oder lieber nachher? Ein Stack nimmt dir beides ab. Der Anker kommt von allein, und der Satz hat schon festgelegt, was danach passiert.

Warum das Verknüpfen funktionieren kann und was offen bleibt

Unter der Idee liegen drei Forschungsstränge. Erstens zeigte der Psychologe Peter Gollwitzer 1999, dass Menschen, die einen Wenn-dann-Plan formulieren, also eine bestimmte Situation mit einer bestimmten Handlung verbinden, eher ins Handeln kommen als Menschen, die nur eine Absicht äußern. Eine Metaanalyse von Gollwitzer und Sheeran aus dem Jahr 2006 fasste viele solcher Studien zusammen und berichtete im Durchschnitt einen mittleren bis großen Nutzen beim Erreichen von Zielen.

Zweitens beschreibt die Gewohnheitsforschung eine Gewohnheit als Handlung, die in einem stabilen Umfeld automatisch durch einen Reiz ausgelöst wird. Gardner, Lally und Wardle sehen in der Wiederholung im immer gleichen Umfeld das, was die Verbindung zwischen Reiz und Handlung aufbaut. Ein Anker, den du sowieso täglich ausführst, ist ein sehr stabiles Umfeld.

Drittens beschreibt BJ Fogg von der Stanford University Verhalten als Zusammentreffen von Motivation, Fähigkeit und einem Impuls. Seine Methode Tiny Habits nimmt eine bestehende Routine als Impuls und verlangt nur eine winzige Version des neuen Verhaltens, damit die Fähigkeit auch an müden Tagen hoch bleibt.

Unsicher bleibt Folgendes: Diese Studien prüfen Wenn-dann-Pläne und Reize ganz allgemein. Eine neue Gewohnheit an eine alte zu hängen ist eine Anwendung dieser Forschung, nicht in jeder Untersuchung direkt getestet, und die Ergebnisse unterscheiden sich von Person zu Person. Sieh einen Stack als gut begründeten Versuch, nicht als Zusage.

In fünf Schritten zum eigenen Stack

Nutze den Baukasten oben, während du die Schritte durchgehst.

  1. Einen Anker wählen, der wirklich stattfindet. Nimm etwas, das du jeden Tag zur gleichen Zeit am gleichen Ort erledigst: die Kaffeemaschine anstellen, die Wohnungstür abschließen, dich an den Schreibtisch setzen. Fällt der Anker an manchen Tagen aus, fällt der Stack mit.
  2. Die neue Gewohnheit schrumpfen. Formuliere eine Version, die unter zwei Minuten dauert: eine Seite, fünf Kniebeugen, ein Glas Wasser. Mehr geht immer noch, wenn du einmal dabei bist, gezählt wird aber die winzige Fassung.
  3. Den genauen Moment in den Satz schreiben. Nachdem ich den Schlüssel ans Brett gehängt habe, ziehe ich die Laufschuhe an. Vermeide weiche Wörter wie irgendwann oder später, denn sie schieben die Entscheidung zurück auf dich.
  4. Unmittelbar nach dem Anker handeln. Mach es, bevor etwas dazwischenkommt, auch ein kurzer Blick aufs Handy. Genau in der Lücke zwischen beiden Handlungen versickern die meisten Stacks.
  5. Abhaken und nach einer Woche prüfen. Setze jeden Tag ein Kreuz im Kettenkalender oder Tracker. Nach sieben Tagen behältst du den Stack, verlegst ihn auf einen besseren Anker oder verkleinerst die Gewohnheit weiter.

12 Beispiele aus dem Alltag in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Such dir einen Stack aus, tausch die Hauptwörter aus und mach ihn zu deinem. Jeder ist absichtlich klein.

SituationNachdem ich …werde ich …
Frühstückdie Kaffeemaschine angestellt habeein Glas Wasser trinken, während sie läuft
Sonntags beim Bäckerdie Brötchen gekauft habeauf dem Heimweg einmal um den Block gehen
Pendeln mit S-Bahn oder Regiomich in die Bahn gesetzt habezwei Seiten in meinem Buch lesen
Fahrrad zur Arbeitdas Rad abgeschlossen habedrei tiefe Atemzüge nehmen
Büroalltagmeinen Rechner hochgefahren habealle Tabs schließen, die ich nicht brauche
Mittagspause in der Kantinemein Tablett abgeräumt habezehn Minuten draußen gehen
Feierabendmeine Jacke an die Garderobe gehängt habedas Handy zum Laden in den Flur legen
Home-Officeden Laptop zugeklappt habeden Schreibtisch für morgen aufräumen
Schichtdienstdie Arbeitsschuhe ausgezogen habefünf Minuten Mobilisation machen
Familie mit Kita-Kinddas Kind abgeholt habeauf dem Heimweg drei Dinge nennen, die gut liefen
Abendessenden Herd angestellt habedie Schultern kreisen lassen, bis das Wasser kocht
Abendroutinemir die Zähne geputzt habeeine Zeile ins Tagebuch schreiben

Anker für unregelmäßige Tage finden

Wer im Schichtdienst arbeitet, im Außendienst viel unterwegs ist oder wechselnd im Home-Office sitzt, hat selten feste Uhrzeiten. Das ist kein Hindernis, denn ein Anker braucht keine Uhrzeit, sondern ein Ereignis. Die Schuhe ausziehen, den Schlüssel ablegen oder die erste Tasse Tee eingießen kommt in jedem Dienstplan vor.

Prüfe deinen Anker deshalb an deiner schlechtesten Woche: Würde er auch an einem Reisetag, bei einer Erkältung oder am Wochenende stattfinden? Wenn ja, taugt er. Wenn nein, such dir einen kleineren, robusteren Anker, auch wenn er weniger eindrucksvoll wirkt.

Woran Habit Stacking scheitert

Ein Stack ist nur so stark wie sein schwächstes Glied. Achte auf diese Stolperstellen:

  • Ein Anker, der gar nicht täglich vorkommt. Reisen, Wochenenden und Krankheitstage kippen ihn, und die neue Gewohnheit kippt mit. Wähle einen Anker, der deine schlimmste Woche übersteht.
  • Zu viele Stapel auf einmal. Beginne mit nur einem und füge den zweiten erst hinzu, wenn der erste ein paar Wochen gehalten hat.
  • Eine neue Gewohnheit, die nicht winzig ist. Wenn du sie regelmäßig auslässt, mach sie kleiner, statt dir Vorwürfe zu machen.
  • Die falsche Richtung. Die neue Gewohnheit gehört hinter den Anker, nicht davor, sonst löst der Anker sie nicht aus.
  • Vergessen, dass sich Anker ändern. Ein neuer Job oder ein Umzug stellt die Routine auf den Kopf. Schreib den Satz neu, sobald sich der Anker verschiebt.

Den Stack sichtbar halten

Einen Stack hältst du leichter durch, wenn du ihn arbeiten siehst. Gib jedem Stack eine eigene Zeile auf einem ausgedruckten Kettenkalender oder markiere ihn in einer App, dann fällt eine Lücke sofort auf, und der nächste Tag ist der richtige Zeitpunkt für den Neustart. Auch die Regel Nie zweimal aussetzen passt hierher: Ein verpasster Stack ist ein Ausrutscher, zwei hintereinander sind ein Signal, den Anker zu wechseln oder die Gewohnheit zu verkleinern.

Wer ein fertiges Experiment für eine Woche sucht, findet es in der Challenge Habit-Stack-Woche: Sie begleitet dich sieben Tage lang dabei, einen Stack zu setzen, abzuhaken und nachzuschärfen.

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Häufige Fragen

Ist Habit Stacking wissenschaftlich belegt?
Die Zutaten sind es. Wenn-dann-Pläne, Reize in einem stabilen Umfeld und kleine Anfänge haben jeweils Forschung hinter sich. Eine neue Gewohnheit an eine alte zu hängen wendet diese Befunde an, und die Wirkung fällt von Mensch zu Mensch verschieden aus.
Wie viele Gewohnheiten kann ich stapeln?
Starte mit einem Stack. Hält er ein paar Wochen, kommt ein zweiter dazu. Lange Ketten aus fünf oder sechs verbundenen Gewohnheiten sind anfällig, weil ein ausgelassenes Glied die übrigen mitreißen kann.
Was tun, wenn sich meine Anker-Gewohnheit ändert?
Schreib den Satz um die neue Routine herum neu. Ein anderer Job, ein neuer Arbeitsweg oder ein Umzug verschiebt deine Anker, und der Stack soll deinem echten Tag folgen, nicht dem alten.
Wie lange dauert es, bis eine gestapelte Gewohnheit automatisch wirkt?
In einer Studie von Lally und Kollegen aus dem Jahr 2010 reichte die Zeit bis zu einem Plateau der Automatisierung von 18 bis 254 Tagen, der Median lag bei 66. Rechne also mit Wochen bis Monaten, nicht mit Tagen.

Quellen

Woher die Fakten auf dieser Seite stammen:

Zuletzt aktualisiert:

Daychain ist eine Habit-Tracker-App, die auf der Kettenmethode aufbaut. Sie ist noch nicht in den App-Stores; die Warteliste auf der Startseite ist geöffnet.

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